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Google Adwords - Zensur ist nicht genug
Der Beitrag wurde am 13. Oktober 2005 von Oliver veröffentlichtNipplegate sagt jedem etwas. Beim Superbowl rutschte mitten im Auftritt von Janet Jackson und Justin Timberlake ungewollt ein Nippel auf Millionen von TV-Bildschirmen rund um die Welt und keiner der Verantwortlichen konnte etwas dagegen tun. Ein handfester Skandal in den USA, einer Hochburg der staatlichen Zensur, direkt hinter Iran, Irak, China und Deutschland. Google ist nun mal ein US-Konzern und natürlich ist man auch hier der Zensur nicht ganz abgeneigt, auch wenn man es aus Marketinggründen ganz anders propagiert. Aussagen wie: „Google bietet ungefilterten Zugang zu Webinhalten”, ist in etwa so korrekt wie: „Pommes mit Majo machen nicht dick”, denn der Suchmaschinenbetreiber aus dem Silicon-Valley dreht ganz schön an der Zensurschraube mit. So änderte man vor gar nicht so langer Zeit seine „Unternehmenspolitik” und blendet keine kostenpflichtigen AdWords mehr für erotische und pornpgraphische Angebote in Deutschland ein (wohlbemerkt: NUR in Deutschland!). Bei Pornographischen Angeboten wie Zugängen zu Bildern, Videos und Livecams, also expliziten ab 18 Inhalten, lässt sich dieser Standpunkt noch - wenn auch nur sehr schwierig - nachvollziehen. Wie weit diese Zensur aber nun fortgeschritten ist und wie das eine ganze Branche beeinflusst, haben wir nun am eigenen Leib erfahren.
Mit unserem bekannten Erotikshop Lovehome.de, haben wir lange Zeit für sehr viel Geld mittels AdWords geworben. Wir bieten in unserem Versandhandel Artikel mit einer Freigabe von max. 16 Jahren an. Das Angebot beschränkt sich jedoch zu 98% auf Dessous und Spielzeuge. Mit anderen Worten: Man sieht bei uns eigentlich so gut wie nichts, was man nicht auch sehen würde, wenn man in der Fussgängerzone an einem Dessousgeschäft vorbeigehen würde. Das sieht Google jedoch nicht so und sperrte unsere Anzeigen, mit der Begründung, dass man auf einigen Bildern durchaus Brustwarzen erkennen könne (Nippelgate Trauma?). „Nun gut, dann halt nicht!”, haben wir uns gedacht. Schließlich lässt man sich ungern von einer Firma versklaven. Kurze Zeit später kam dann aber die Einsicht, das es ja kein großes Problem ist, diese Brustwarzen entsprechend zu verpixeln. Gesagt, getan! In dem ganzen Shop gibt es keine einzige freilaufende Brustwarze mehr oder andere unzensierte Geschlechtsteile, die dem geneigten Google-Adwords-Zensor entgegenspringen und in seinen - wie auch immer gearteten - moralischen Grundfesten verletzen könnten. Nichts liegt und ferner als das!
Wir haben die Anzeigen also erneut geschalten und promt die nächte Ablehnung kassiert. Woran kann es denn diesmal liegen? Hat sich vielleicht eine Brustwarze verselbständigt und wir haben sie so übersehen? Nein, Google legt jetzt nach! Die offizielle Stellungnahme des deutschen Zensur-Headquarters gibt Aufschluss über die neuerliche Sperrung: „Bitte beachten Sie, dass die Abdeckung von Nacktheit mittels Balken, Verpixelung oder Sternen nicht genügt, damit wir Ihre Anzeigen genehmigen können. Wenn Sie Deutschland in Ihrer Zielländerliste behalten wollen, müssen Sie Bilder mit übermäßig nackter Haut entfernen.” Ok, also zeigt man am besten keine Menschen mehr auf seinen Seiten oder am besten nur solche, die eine talibanische Burqa tragen. Für uns ist das Thema AdWords damit natürlich gegessen. Eine weitere Zensur und Versklavung ist mit uns nicht drin. Trotzdem interessiert es einen natürlich, wie das andere machen, wie sie sich der Zensur unterwerfen und welche Maßnahmen sie unternehmen, nur um bei Google AdWords gelistet zu sein. Wie hoch ist also die Schmerzgrenze?
Ein kurzer Blick bei den einschlägigen Keywords zeigt, dass viele Shops bereits extra eigene, zensierte Shops betreiben, extra für AdWords. Hier findet man dann Artikel, bei denen gar kein Bild mehr erscheint sondern nur ein schwarzes „Zensiert”. Sehr sinnvoll wenn man eine Ware verkaufen möchte, die den Kunden optisch ansprechen soll. Durchweg ein trauriges Bild, nur zensierte Shops, in denen ich als Kunde nicht kaufen würde. Aber natürlich kam auch der Gedanke, dass „Big G” mit zweierlei Maß misst. Und an dem ist es auch. So finden sich in den AdWords große Namen, die „nippeln” dürfen und ihre Dessous so zeigen können, wie es auch sein soll, als Dessous und nicht als zensierte Pornographie. Hier ein paar Beispiele aus der Googlesuche nach “dessous” und “vibrator”: 1, 2, 3. Da kann sich jeder sein eigenes Bild über die Moral und die Einstellung von Google bilden. Wie weit die Zensurwut die Seitenbetreiber bringt, dazu hier noch ein letztes Beispiel.
Soziales: del.icio.us | Mister Wong | yigg.de | digg.com
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