Exportschlager Jugendschutz

Der Beitrag wurde am 29. Oktober 2005 von Oliver veröffentlicht

Selten habe ich in einem einzigen Artikel mal wieder so viel Quatsch gelesen. Worum geht es eigentlich? Deutschland soll während seiner EU-Präsidentschaft etwas für das Modell der Koregulierung im Jugendmedienschutz tun. Das ist der Wunsch der EU-Kommission. Die hat die deutschen Vertreter dazu eingeladen, ein Präsidentschaftsseminar zu diesem Thema zu veranstalten. Soll das deutsche Modell der KJM in die restliche EU exportiert werden? Das ist in meinen Augen doch sehr zweifelhaft, schaut man sich offene und aufgeklärte Gesellschaften wie die Niederlande, etc. an. Was aber so richtig „Hass” aufkommen lässt, ist ein Teil der folgenden Textpassage:

Exportiert werden soll erst einmal der aktuelle Werbespot der Initiative Klicksafe, der [.. vor Rechtsextremismus, Pornographie, Gewaltdarstellung und Pädophilie ..] im Internet warnt.

Ich weiß nicht, ich habe einfach ein ganz großes Problem damit, wenn seriöse Online-Erotik immer in einem Zug mit Pädophilie, Gewalt und Rechtsextremismus genannt wird. Ich meine, man ist es als Adult-Webmaster ja durchaus gewöhnt, dass die Strafen für „etwas mehr als nur den blanken Busen zeigen” ähnlich hart sind, wie die eines Verbrechers. Viele Webmaster haben Hausdurchsuchungen über sich ergehen lassen und wurden erniedrigt, nur weil man das natürlichste der Welt zeigt, ohne das es die Pseudo-Regulierer und Zensierer gar nicht gäbe. Aber hey, hat es uns etwas ausgemacht? Nein! Aber was einen doch so richtig aufregt ist, wenn man mit dem wirklichen Bodensatz dieser Gesellschaft in einen Topf geworfen wird und kopulierende Menschen mit rechtsradikalen Schlägern, Mördern und Pädophilen vergleicht. Eine ebenso interessante Aussage ist die von Gunnar Bender (AOL):

Der Vorwurf der Kommission für Jugendmedienschutz (KJM), die großen Internet-Portale seien zu nachlässig beim Jugendschutz, sei da nicht gerade förderlich: “Ich habe schon die Stirn runzeln müssen, dass ausgerechnet die so angegangen werden, die ohnehin schon alles tun. Das ist ein wenig, als würde der zwölfte Airbag beim Mercedes angemahnt, aber die, die mit ihrer Schrottkarre mit hundert durch die Spielstrasse fahren, werden nicht genannt.

Die Aussage finde ich doch schon sehr arrogant. Die großen Portale sind also der „Mercedes” in unserer Mitte und wir sind der rostige Opel mit 18 Jahren auf dem Buckel. Da verwundert es nur, dass es doch gerade die größten Portale waren, die zuerst ins Ausland abgezogen sind um dort neue Niederlassungen zu gründen, auch speziell um von dort Erotik anzubieten. Die kleinen Anbieter sind es doch, die Webmaster, die die Suppe von Beginn an auslöffeln mussten, vor Gericht standen, Hausdurchsuchungen hatten und nicht die großen Protzkarren mit gefüllter Spesenkasse und eigener Rechtsabteilung. Eins muss man aber noch anerkennen. AOL nimmt den Jugendschutz sehr ernst, man zeig gar keine Erotik vor 22 Uhr und nach 6 Uhr. Vorbildlich. Via Heise.

Nachtrag: Der Werbespot zum Thema Jugendschutz von Klicksafe ist allerdings sehr gut gemacht und sinnvoll! Zum Spot von Klicksafe.de

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1 Kommentar »

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  1. Gravatar of Hudel

    Kommentar von Hudel vom 12.9.2008

    Wenn ich über die IP des Besuchers dessen Zeitzone ermittle, und ErotikInhalte (+entsprechende Werbung) nur zwischen 23 und 5 Uhr anzeige (außerhalb dieser Zeit nur den Hinweis das das Angebot wieder ab 23 Uhr zu erreichen ist), bin ich dann auch ohne Altersverifizierung auf der sicheren Seite? Weis das jemand?
    http://www.fsm.de/de/Unternehmen_Hinweise

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