YouTube, die Schweiz und die Zensur

Der Beitrag wurde am 6. Oktober 2006 von Oliver veröffentlicht

Auch in der Schweiz scheint es keine größere Bedrohung für die Bürger zu geben, als die, die von der Pornographie ausgeht. Das meint zumindest Jacqueline Bachmann, Komsumentenschützerin. Die fordert nämlich eine Zensur von pornographischen Websites in der Schweiz. Am besten sollen die Zugangsprovider Websites, die nicht nach dem Geschmack des Staats sind, direkt sperren. Was in China und in Deutschland bereits hervorragend funktioniert, wird wohl auch in der Schweiz gehen. Grund für die Diskussion sind einige Klone der Videoplattform YouTube, auf denen es unzensierte Pornographie zu sehen gibt und die vornehmlich in den USA gehostet sind. Die Zeitung “heute” hat dazu einen eher schlechten Artikel (.pdf / Seite 28) verfasst, der auch durchaus von der “BILD” stammen könnte: “Material für das früher mindestens die Registration per Kreditkarten erforderlich war, gibts jetzt ohne jegliche Prüfung des Alters gratis im Netz.” Solche Sites gibt es schon seit mindestens 8 Jahren. Früher waren das eben nur keine Klone von YouTube, welches es da ja auch noch nicht gab, sondern halt MGPs (Movie Gallery Pages) oder Sites wie z.B. Voyeurdorm, die es schon seit 96/97 gibt und die auch stets kostenlos waren und zum Teil auch noch sind. Heute ist das alles einfach neu verpackt mit einem “Web 2.0″-Stempel oben drauf. Nix neues also.

“Für den Zürcher Staatsanwalt Urs Hubmann ein klarer Gesetzesverstoss: «Unter 16-Jährigen darf Porno nicht zugänglich gemacht werden. Eine Kontrolle muss stattfinden.» Unternehmen kann er aber praktisch nichts, da die Server im Ausland stehen.” Herr Hubmann gibt seine Hilflosigkeit und die nicht vorhandene Zuständigkeit wenigstens zu. Die BPjM versendet hingegen regelmäßig auf Kosten des Steuerzahlers Briefe an Webmastern aus den USA, wo man darum bittet, die Sites abzuschalten oder sich an deutsches Recht zu halten. Passiert das nicht, wird die betroffene Site auf den Index gesetzt. Wegen eben dieser Hilfs- und Ahnungslosigkeit fordert Jacqueline Bachmann vom Konsumentenschutz: “Die Gesetze hinken den neuen Technologien hinterher…. Anbieter wie Bluewin und Co. müssen den Zugang zu solchen Sites sperren” Der letzte Ausweg, wenn der Staat versagt hat. Statt endlich mal zu versuchen, sinnvolle Filtermethoden, wie zum Beispiel ICRA, bei den Eltern zu etablieren und so für ECHTEN Jugendschutz zu sorgen, wird mit der Zensurkeule gedroht. Die Site, um die es der lieben Frau Bachmann da geht, ist übrigens auch mit ICRA und WRAAC gelabelt, die es verantwortungsvollen Eltern ermöglichen, die Inhalte vom heimischen Rechner fernzuhalten, ganz ohne staatliche Zensur. Mal ganz davon abgesehen, haben meiner Meinung nach Kinder unter 14 Jahren unbeaufsichtigt nichts am und im Internet zu suchen. Aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte. via Webmaster Blog

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