Kriegskasse für Abmahnungen bilden

Der Beitrag wurde am 19. Januar 2007 von Oliver veröffentlicht

In Zeiten, in denen Firmen wie der Media Markt mit Abmahnungen nur so um sich werfen, sind diese ja immer ein beliebtes Thema, daher möchte ich auch mal ein wenig aus dem Nähkästchen plaudern. Mich erreichte die erste Abmahnung, die mit dem Web zusammenhängt, im Jahre 1999. Damals gab es eine Domainstreitigkeit mit BMG. Die Abmahnkosten in Höhe von umgerechnet 5.000 Euro haben mich als Existenzgründer, der erst einige Jahre selbständig wahr und ganz ohne Bankkredite ausgekommen ist, ganz schön zurückgeworfen. Dazu kam, dass ich mich eigentlich sicher fühlte. Die DEVK hatte mir ein Jahr davor eine sehr sehr teure Rechtschutzversicherung verkauft (bzw. der “sachkundige” Berater), die auch Dinge, die mit dem Internet zusammenhängen (“inkl. Abmahnungen”, so der “Berater” damals), absichern sollte. Pustekuchen, aber heute ist man eh schlauer.

Der nächste Schlag kam Anfang 2000. Da war es ein damaliger Mitbewerber, der heute insolvent ist. Der meinte, ich hätte Produktbeschreibungen bei ihm abgeschaut und mahnte mich sogleich mit einem Streitwert von 250.000 DM ab (waren derzeit wieder knapp 4.000 DM Kosten). Ich hatte zwar nichts abgeschaut, dennoch zahlte ich zähneknirschend, weil ich mich nicht auf einen kostspieligen Rechtsstreit einlassen wollte. Nur zwei Monate später erhielt ich die nächste Abmahnung von der gleichen Firma. Wieder 250.000 DM Streitwert, wieder knapp 4.000 DM Kosten. Diesmal sollte ich gegen die Zugabeverordnung verstoßen haben. Wieder habe ich geblutet, diesmal (fast) zurecht. Über den Streitwert muss man wohl nicht viel sagen … Was soll ich sagen, erneut zwei Monate später wieder eine Abmahnung. Gleicher Streitwert, gleiche Kosten. In diesem Fall war es dann ein falsches Logo der Post, welches ich auf der Website eingebunden habe (das war damals mein Logistikpartner). Ich hatte fälschlicherweise ein Logo eingebunden, welches unter “Post” auch noch “Kontrakt” stehen hatte. Die Post Kontrakt war jedoch nicht = die Post. Nichts schlimmes, aber es war der Firma eine Abmahnung wert.

Ab dem Zeitpunkt habe ich mir geschworen, nie wieder nachzugeben. Ich beschloss eine “Kriegskasse” zu bilden. Jeden Monat zahlte ich 1/5 des Gewinns auf ein spezielles Konto ein. Heute hat sich da eine nette Summe angesammelt, mit der man auch mal einen Prozess gegen einen Großkonzern bis vor den Bundesgerichtshof “prügeln” könnte. Seit dem erhielt ich zwar noch einige Abmahnungen, die konnte ich aber immer abschmettern. Ich kann da jedem nur raten, sich eine ähnliche “Kriegskasse” zu bilden. Und wenn es nur 100 Euro sind, die man da monatlich einzahlt. Wenn eine Abmahnung kommt, freut man sich über das Geld und man kann (im unbegründeten Fall) mit voller Härte zurückschlagen. Kommt keine Abmahnung, hat man sich halt eine schöne Rücklage für schlechte Zeiten gebildet. Und es ist ja auch so, dass wenn mehr Leute zurückschlagen würden oder könnten, gäbe es die heutige Problematik vielleicht gar nicht in dem Maße.

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21 Kommentare »

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  1. Gravatar of Basic Thinking Blog » Die Abmahn-Kriegskasse

    Pingback von Basic Thinking Blog » Die Abmahn-Kriegskasse vom 19.1.2007

    […] von Oliver Karthaus und seine Konsequenzen daraus: Kriegskasse für Abmahnungen bilden Trackback-URL Gelesen: 1 heute:1 […]

  2. Gravatar of kl.-m. meyer

    Kommentar von kl.-m. meyer vom 19.1.2007

    das hört sich sehr vernünftig an. besonders interessant sind sicher die außerordentlichen gewinne, die man erzielt, wenn man nicht abgemahnt wird. klm

  3. Gravatar of Frank Helmschrott » Blog Archiv » Kriegskasse für Abmahnungen

    Pingback von Frank Helmschrott » Blog Archiv » Kriegskasse für Abmahnungen vom 19.1.2007

    […] Oliver hat mal aus dem Nähkästchen geplaudert und erzählt uns von seiner Kriegskasse für Abmahnungen. Sehr interessanter Ansatz. Danke für den Tipp! [via Basicthinking] Geschrieben von Frank Helmschrott am Freitag, den 19. Januar 2007 um 9:11 Uhr. Kategorien: Quickblog | Tags: blogschrott Statistik: · Gelesen: 2 · heute: 2 | Trackback-Link für diesen Beitrag | Kommentar-Feed zum Artikel […]

  4. Gravatar of Maik

    Kommentar von Maik vom 19.1.2007

    Hallo, irgendwie kommt mir das doch alles bekannt vor ich wurde auch schonmal abgemahnt, wobei ich damals selber Schuld war :). Also nen bissel Lehrgeld gezahlt. Und die Idee mit der Kriegskasse klingt ganz gut. Eigentlich braucht jeder Webmaster so eine Kasse denn, wenn ich jemanden Abmahnen will finde ich irgendwann einen Grund :)

  5. Gravatar of Gerald Mann

    Trackback von Gerald Mann vom 19.1.2007

    Kriegskasse gegen Abmahnungen (keine schlechte Idee)…

    Basic Thinking berichtet das AWM eine gute Idee hatte. Und zwar hat Oliver nach ettlichen Abmahnungen sich im Jahr 2000 dazu entschlossen nicht mehr den Abmahnungen nachzugeben. Und legt seit dem 1/5 seines Gewinns zurück.
    Wie die Grafik zeigt w&#…

  6. Gravatar of » Kriegskasse für das Blog, Blogpiloten.de – Weblog Update Weekly

    Pingback von » Kriegskasse für das Blog, Blogpiloten.de - Weblog Update Weekly vom 19.1.2007

    […]   03   Blackbox WWW         14:16 | Jan 19’07 Kriegskasse für das Blog   Oliver Karthaus schreibt im AW-Blog über seine Erfahrungen mit Abmahnungen, und wie er sich zukünftig davor schütz: Jeden Monat zahlte ich 1/5 des Gewinns auf ein spezielles Konto ein. Heute hat sich da eine nette Summe angesammelt, mit der man auch mal einen Prozess gegen einen Großkonzern bis vor den Bundesgerichtshof “prügeln” könnte. […]

  7. Gravatar of [i:rrhoblog] » links for 2007-01-19

    Pingback von [i:rrhoblog] » links for 2007-01-19 vom 19.1.2007

    […] Kriegskasse für Abmahnungen bilden "Ich kann da jedem nur raten, sich eine “Kriegskasse” zu bilden. Wenn eine Abmahnung kommt, freut man sich über das Geld und man kann (im unbegründeten Fall) mit voller Härte zurückschlagen." (tags: abmahnung recht internet blogs) […]

  8. Gravatar of Mark

    Kommentar von Mark vom 20.1.2007

    Ich kann mich glaub in die Liste mit eintragen. Ich habe eine Geschichte, die mir ein Webmaster eingebrockt hat (Markenrecht). Ich als Partnerprogrammbetreiber wurde mal voll verheizt. Seit 2004 bis Heute hat mich die Geschichte einige tausend Euro gekostet. Ich habe mich auch auf einen Prozess eingelassen, was mich jetzt wohl bald die Existenz kostet. Tja, wenn es nicht bald ein Ende findet, dann wird es mich trotz “Kriegskasse” in die Insolvenz treiben. Mal sehen was wird.

  9. Gravatar of nri

    Kommentar von nri vom 20.1.2007

    Teufel noch 1! Wie soll man als “H4-Blogopfer” 100 Globalgeld im Monat “weglegen”?

  10. Gravatar of urks.de // reloaded » media-bloed.de – abmahnung – so ‘ne sauerei…

    Pingback von urks.de // reloaded » media-bloed.de - abmahnung - so ‘ne sauerei… vom 20.1.2007

    […] Wieder eine Sauerei mehr… eventuell ist der Vorschlag mit der Kriegskasse gar nicht soooo verkehrt?!? Es kann einen wirklich jederzeit unvorbereitet aus dem Hinterhalt treffen… tztztztz. […]

  11. Gravatar of alleswasbewegt

    Trackback von alleswasbewegt vom 20.1.2007

    oder werde ich doch Fotograf…

    nein das Thema ist einfach nicht zum Witze machen.
    Schon wieder musste eine Blog schliessen, weil er abgemahnt wurde. Seit vielen Jahren bin ich im Netz unterwegs, seit einigen Monaten habe ich nun diesen Blog und jeden Tag wenn ich an den Briefkasten …

  12. Gravatar of Benjamin Stein

    Kommentar von Benjamin Stein vom 20.1.2007

    Ich sehe zwei Sorten von Abmahnern: jene, die meinen , durch die Abmahnkeule unangenehme Meinungsäusserer loswerden zu können; und jene, die auf regulärem geschäftlichen Weg nichts mehr ausrichten und zu Deals mit Anwälten greifen, um sich ein wenig Geld an Land zu ziehen. Die Kriegskasse zur Abwehr der letzteren muss nicht gross sein. Ich leiste mir seit meiner ersten leidvollen Erfahrung eine schreckengebietende Anwaltskanzlei, wo mich ein einziger Brief 350,- EUR kosten kann. Auf einen solchen Brief zieht die Gegenseite, die gern mit ominösen Familienrechtsanwälten kommt, dann ganz schnell den Sch… ein und versucht es nicht nochmals.

    Im Fall der grossen Fische, die nicht möchten, dass man unschön über sie spricht: Hier würde ich mir wünschen, dass die Blogger-Community sich eine Art Versicherung/Fonds zulegt, um es einzelnen angegriffenen Bloggern ggf. ermöglicht, mit allen rechtlichen Mitteln zu kontern.

    Ist sowas eigentlich schon mal überlegt worden?

  13. Gravatar of Frank

    Kommentar von Frank vom 21.1.2007

    @Benjamin
    Ja natürlich, aber bislang scheint die TrifftMichSowiesoNicht-Mentalität unter Bloggers stärker zu sein, als die Courage:

    http://soll-haben.blogspot.com/2006/12/verein-zur-strkung-der-web-publisher.html

    Btw., wer kein Geld hat, kann es sich eh leisten, auf Kosten des Klägers einen Prozess in die Länge zu ziehen. ;)

  14. Gravatar of Andreas Will

    Kommentar von Andreas Will vom 21.1.2007

    In zehn Jahren zwei böse Briefe und eine berechtigte Abmahnung!! Vielleicht nicht immer die Schuld bei Anderen suchen!! Firmen, die einen ungerechtfertigt abmahnen und dies auch noch vor Gericht durchziehen, habe ich selbst im Bekanntenkreis erst äusserst selten erlebt (eigentlich noch nie!!).

  15. Gravatar of Wie kann man unter dem Abmahn-Radar fliegen? – Adult Webmaster Blog

    Pingback von Wie kann man unter dem Abmahn-Radar fliegen? - Adult Webmaster Blog vom 23.1.2007

    […] Wie kann man unter dem Abmahn-Radar fliegen? Der Beitrag wurde am 23. Januar 2007 von Oliver Karthaus veröffentlicht Nachdem ich vor einigen Tagen über die Kriegskasse für Abmahnungen geschrieben habe, möchte ich ein wenig auf die Möglichkeiten eingehen, wie man gänzlich unter dem Abmahn-Radar fliegen kann um sich erst gar keine Probleme einzuhandeln. Natürlich ist das keine Rechtsberatung, schließlich muss jeder selbst am besten wissen, was gut für ihn ist und was nicht. Geheimnisse gibt es auch keine, nur eine Zusammenfassung der Möglichkeiten und Ideen, um die eigene Privatsphäre vor abmahnwütigen Wegelagerern zu schützen. Ich gehe in meinem fiktiven Beispiel von einem 100% legalen Angebot aus. Wie könnte man diese Website vor arbeitslosen Abmahnern schützen, die sich am hart verdienten Geld bereichern möchten? […]

  16. Gravatar of oder werde ich doch Fotograf « alleswasbewegt

    Pingback von oder werde ich doch Fotograf « alleswasbewegt vom 24.1.2007

    […] nein das Thema ist einfach nicht zum Witze machen. Schon wieder musste eine Blog schliessen, weil er abgemahnt wurde. Seit vielen Jahren bin ich im Netz unterwegs, seit einigen Monaten habe ich nun diesen Blog und jeden Tag wenn ich an den Briefkasten gehe hoffe ich wieder, dass ich nichts unrechtes aus meinen Webseiten stehe habe. Das ist die Situation heute, sobald man sich im Internet Präsentiert muss man jeden Tag mit einer Rechtsstreit rechnen. Ich bin auch der Meinung, das wir das Copyright brauchen. Viele Menschen leben davon, auch bin ja kein hauptberuflicher blogger sondern verkaufe Software und bin froh, dass es eine solches Copyright gibt. Auch mir ist es schon aufgefallen, das Lizenzen beim Kunden versehentlich doppelt eingesetzt wurden. Man hat sich darüber gesprochen und das Problem wurde schnellst möglich aus der Welt geschafft. // Eine Abmahnungs-Kriegskasse wie es Oliver von AWR macht, kann ich mir als Privatperson auch nur schlecht vorstellen. Zur Zeit wird mir wohl nichts anderes übrig bleiben, als jeden Tag wieder aufs Neue mit einem flauen Gefühl in der Magengegend zum Briefkasten zu gehen. […]

  17. Gravatar of Karin

    Kommentar von Karin vom 26.1.2007

    ich bin selbst grafikerin und fotografin und bin froh dass es solches copyright gibt. selbstständig fürchte ich mich aber über meine existenz, seit es diese abmahnungen gibt.
    derzeit macht ein berufskollege von mir schlagzeilen in dem er hunderte abmahnungen verschickt wegen broetchen und anderen speisen, fast wertlose bilder, um tausende euro. einige seiten, blogs, foren machen jetzt dicht, das kann sich keiner mehr leisten.

    Infos:
    http://www.maingold.com/2007/01/15/abmahnung-durch-folkert-knieper-von-marions-kochbuch/

    wenn man liest, wie skrupellos die abmahner und deren anwälte vorgehen, damit sie reich werden, wird einem schlecht.
    Beispiel:
    http://boris.freehost.ag/

    habt ihr schon die
    http://www.abmahnwelle.de
    kontaktiert?

    eine andere frage: kennt jemand von euch eine gute rechtschutzversicherung die das risiko der abmahnungen versichert. wahrscheinlich nicht

  18. Gravatar of Erste Hilfe bei Abmahnungen – Quellensammlung | Dr. Web Weblog

    Pingback von Erste Hilfe bei Abmahnungen - Quellensammlung | Dr. Web Weblog vom 31.1.2007

    […] Kriegskasse für Abmahnungen bilden von Oliver Karthaus […]

  19. Gravatar of Olaf

    Kommentar von Olaf vom 7.2.2007

    Pflicht ist nach meiner Meinung auch für den kleinsten Blogbetreiber, eine Rechtsform zu wählen, welche die private Haftung ausschließt. Und wenn es sein muß, eine britische Ltd. Die wird dann bei größeren Abmahnkosten geschlossen und fertig.
    Pflicht ist nach meiner Meinung auch, dass jede Abmahnung dem eigenen Rechtsanwalt vorgelegt wird. Das lohnt sich schon alleine wegen des Prüfung des Streitwertes.

  20. Gravatar of Kriegskasse gegen Abmahnungen (keine schlechte Idee) » Gerald Mann

    Pingback von Kriegskasse gegen Abmahnungen (keine schlechte Idee) » Gerald Mann vom 6.1.2008

    […] Thinking berichtet das AWM eine gute Idee hatte. Und zwar hat Oliver nach ettlichen Abmahnungen sich im Jahr 2000 dazu […]

  21. Gravatar of Erste Hilfe bei Abmahnungen – Quellensammlung | Dr. Web Magazin

    Pingback von Erste Hilfe bei Abmahnungen - Quellensammlung | Dr. Web Magazin vom 12.11.2008

    […] Kriegskasse für Abmahnungen bilden von Oliver Karthaus […]

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