Pornofilm-Verbot für Deutschland

Der Beitrag wurde am 14. Februar 2007 von Oliver veröffentlicht

Wenn es um den “Jugendschutz” geht, dann sind wir wirklich weltweit Spitzenreiter was die Zensur, Kontrolle und entmündigung unserer Bürger angeht. Da hat es selbst China schwer, mit uns Schritt zu halten. Jetzt treibt die ganze Sache aber wieder ganz neue Blüten: Pornofilm-Verbot in deutschen Videotheken. Noch handelt es sich zwar nur um einen Gesetzentwurf Bayerns, aber bald kann das schon Realität in Deutschland werden. So, wie wir derzeit das Face2Face-AVS für einen schlechten Scherz hielten, kann uns auch dieses perverse Gesetz bald einholen. Eigentlich sollte der Jugendschutz nur im Bezug auf “Killerspiele” verbessert werden, rausgekommen ist aber eine Verschlimmbesserung. Der Passus des Artikels 15 des Jugendschutzgesetzes, laut dem der Verleih von indizierten “Trägermedien” zumindest “in Ladengeschäften, die Kindern und Jugendlichen nicht zugänglich sind” erlaubt ist, soll ersatzlos verschwinden.

Da jeder Pornofilm auch automatisch indiziert ist, wäre es den Videotheken auch mit Inkrafttreten des Gesetzes verboten, Pornofilme zu verleihen. Da viele Videotheken zu einem großen Prozentsatz von dem Verleih dieser Videos leben, wäre es das Aus für sie. Dabei ist der Regierung offenbar egal, dass ein weiterer Industriezweig vernichtet wird. “Für mich hat der Jugendschutz ganz klar Vorrang vor dem Kommerz. Wir brauchen klare, insbesondere leicht überprüfbare Regeln, um Jugendliche vor jugendgefährdenden Filmen zu schützen“, so die bayerische Familienministerin Christa Stewens. Weiter sagt sie: Videotheken müssten sich überlegen, womit sie Geschäfte machten. “Es ist meines Erachtens nicht zu viel, auch von Videoverleihern eine ethische Fundierung zu verlangen” Nun, die gibt es dann ja wahrscheinlich nicht mehr - zumindest nicht in dieser Form.

Ich finde dieses Gesetz pervers und kontraproduktiv. Was die Bundesregierung erst später merken wird ist, dass die Kriminalität erst recht auf die Straßen zurückkehren wird. Ich spreche insbesondere von Sexualstraftaten. Eine Gesellschaft, in der es mündigen Bürgern nicht erlaubt ist, ihre Sexualität frei zu entfalten (und dazu gehört auch der Konsum von Pornofilmen), hat es noch nie sehr weit gebracht. Im Gegenteil: Es gibt genügend Studien die ganz klar belegen, dass die Legalisierung von Pornographie Verbrechensraten senken kann, jedoch auf keinen Fall steigert (Ein Beispiel: “Der dänische Kriminologe Berl Kutchinsky hat in mehreren Untersuchungen (die wichtigsten 1970 und 1991) festgestellt: Es gibt keinen Zusammenhang zwischen der Legalisierung von Pornographie und der Inzidenz von Vergewaltigungen. Andere Sexualverbrechen (vor allem sexueller Mißbrauch und sexuelle Belästigung) sind in Dänemark, so die Studie von 1970, nach der Legalisierung von Pornographie gesunken. Kutchinsky führte dies auf einen direkten Einfluß der Pornographie zurück, nachdem er andere Einflußfaktoren wie z.B. eine gesunkene Anzeigebereitschaft als Grund für den Rückgang ausschalten konnte.quelle).

Das ist ja auch leicht nachzuvollziehen, schließlich können die Menschen so ihre Phantasien kanalisieren. Ist das nicht mehr möglich… nun ja, wir wissen ja, was dann passieren kann. Gleiches gilt für die Killerspiele. Während viele ihre Aggressionen online in Spielen abbauen konnten, werden sie sich zukünftig andere “Betätigungsfelder” suchen und die liegen bestimmt nicht in den eigenen vier Wänden. Ich sehe dunkle Zeiten auf uns zukommen, seid gewarnt.

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6 Kommentare »

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  1. Gravatar of fellow passenger

    Kommentar von fellow passenger vom 14.2.2007

    Das ist doch alles nur ein politisches Rührstück. Selbst Frau Stewens dürfte klar sein, daß ein Verbot von Gewaltdarstellungen bar jedes Nutzens ist.

    Abseits der Möglichkeit, daß die Ministerin vielleicht wirklich zu dämlich ist, einen halbwegs realistischen Gesetzentwurf aufzuschreiben, vemute ich eher, man ruft die Lobby der Sexfilmfabrikanten auf den Plan, damit man den Bürgern guten Willen vorspielen kann, völlig ohne ein Ergebnis zeitigen zu müssen.

    Die Pornoindustrie mag mit 800 Millionen Umsatz p. a. gemessen an Pharma-, Tabak-, Öl- und Drogenhandel ein kleines Licht sein. Die Butter vom Brot nehmen lassen werden sie sich sicher nicht. Zudem werden sie offene Türen einrennen, denn auch Politiker schauen sich Pornos an.

  2. Gravatar of Detlef

    Kommentar von Detlef vom 16.5.2007

    Mein Leben besteht aus Pornos,ein Verbot wäre das Ende für mich.

  3. Gravatar of Peter

    Kommentar von Peter vom 23.5.2007

    Den Teufel an die Wand zu malen, weil ein Gesetz möglicherweise den Verleih von Pornos in der Videothek verbietet, ist nicht sehr weit gedacht. Vergewaltigungen werden zum täglichen Geschehen, weil Max oder Herrmann sein Filmchen nicht mehr in der Videothek leihen kann? Wen soll diese Pseudoargumentation überzeugen?
    Von mir aus: Die eine oder andere Videothek wird auf der Strecke bleiben, ja. Aber auch nur ein paar Monate früher, als sie es ohnehin wäre, weil der Konsum sich immer mehr aufs internet verlagert.
    Viel Wind um nichts.

  4. Gravatar of Oliver Karthaus

    Kommentar von Oliver Karthaus vom 23.5.2007

    Den Teufel an die Wand malen? Lieber Peter, du kennst als Konsument (?) die Realität in Deutschland eventuell nicht ganz so wie sie ist. Und von Pseudoargumenten halte ich auch nicht viel. Wo du aber schon dabei bist, eventuell solltest du dir dann auch die “Pseudoargumente” der staatlichen Jugendschützer ansehen und darüber nachdenken … Jede Wahrheit hat zwei Seiten ;)

  5. Gravatar of Peter

    Kommentar von Peter vom 23.5.2007

    Oliver, da sind wir uns ja einig. Das erste Pseudoargument ist tatsächlich das der Jugendschützer, das kontraproduktiv ist. (Meiner Meinung nach aber deswegen, weil die Produktion sowieso schon weitergezogen ist - in Richtung Internet.)
    Nur an der Outlet-Argumentation teilen sich unsere Ansichten. D(ie)eine Sichtweise ist, dass ohne das Pornoventil einige zu Sexualstraftätern würden. Die andere Seite der Medaille wäre, dass sie es wegen des Pornoventils geworden sind. Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich mich auf die zweite Seite schlagen soll - die erste kommt jedenfalls nicht für mich in Frage.

  6. Gravatar of ksteffen38

    Kommentar von ksteffen38 vom 21.8.2007

    In Polen soll demnächst generell Pornografie verboten werden.Zuwiderhandlungen werden mit Haft bestraft.

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