Betrug von Online-Shoppern: So läuft der Hase

Der Beitrag wurde am 9. Mai 2007 von Oliver veröffentlicht

Die Berichterstattung der Medien über Betrugsfälle im Internet ist ja immer sehr einseitig gehalten. Die Realität sieht oft ganz anders aus. Eine beliebte Masche, die schon des Öfteren bei uns vorgekommen ist, ist diese hier: Der Kunde bestellt per Lastschrift und vermerkt im Kommentarfeld, dass er die Ware schnell benötigt für eine Geburtstag oder als Geschenk zum Hochzeitstag. Freundlich wie man ist, bemüht man sich die Ware schnell zu versenden. Die Kunden wünschen dann auch die Trackingnummer von DHL, die wir z.B. immer an den Kunden schicken, damit er sehen kann, wo sich das Paket befindet. Das große Erwachen kommt dann, wenn die Lastschrift wegen Widerspruchs zurückkommt. Der Kunde hat bei der Bestellung eine fremde Kontonummer angegeben. Gut, dass man ja die Adresse des Kunden hat. Unter der angegebenen Adresse ist jedoch oft niemand erreichbar oder man weiß nichts von einer Bestellung, weil man gerade erst aus dem Urlaub gekommen ist. Das Paket wurde jedoch dort angenommen. So machen das die Betrüger: Sie suchen sich in der Nachbarschaft oder der Stadt ein Haus, wo niemand zuhause ist (Urlaub, etc.). Dann bestellt man online die Ware und bittet um einen schnellen Versand. Bei der Bestellung werden oft Kontoverbindungen aus dem Internet angegeben (wir hatten sogar schon mal die einer katholischen Kirchengemeinde). Ist das Paket versendet, verfolgen die Betrüger das Paket online. Kurz vor der Auslieferung steht online, dass sich das Paket in der Auslieferung befindet. Die Betrüger warten nun an dem leerstehenden Haus auf den Zusteller. Sie nehmen das Paket an, unterschreiben mit dem Namen des Hausinhabers und verschwinden mit der Ware.

Als Betreiber eines Shops kann man sich kaum dagegen absichern. Wir machen das so, dass wir Ware grundsätzlich nur dann versenden, wenn die Lastschrift erfolgreich durchgegangen ist. Natürlich kann man nicht die kompletten 6 Wochen warten, in denen die Lastschrift vom Kunden storniert werden kann. Im Regelfall kommen die Rücklastschriften aber binnen 2-4 Tagen. Natürlich vergrault man sich so manch ehrlichen Kunden, der nichts Böses im Sinn hat und trotzdem eine schnelle Lieferung wünscht. Aber was soll man machen? Die Verluste in Kauf nehmen? Bei rund 30 Prozent Betrugsversuchen bei den Bestellungen (o.g. Masche, andere Rücklastschriften mangels Deckung oder Konto erloschen) sicherer Selbstmord. In jedem Fall sollte man eine Anzeige gegen die IP, die bei der Bestellung benutzt wurde, erstatten. Auch wenn das in den meisten Fällen nichts bringt. Tatenlos zusehen sollte man auf keinen Fall.

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17 Kommentare »

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  1. Gravatar of Jens

    Kommentar von Jens vom 9.5.2007

    Wenn Du damit mal nicht eine Menge Leute auf Ideen bringst…

  2. Gravatar of Oliver Karthaus

    Kommentar von Oliver Karthaus vom 9.5.2007

    Das Traurige ist, dass diese “Tipps” bereits in vielen Internetforen öffentlich abrufbar sind, in denen sich die Betrüger austauschen. Man soll ruhig wissen, wie der Hase läuft und wie man sich schützen kann.

  3. Gravatar of Herb

    Kommentar von Herb vom 9.5.2007

    Wenn DHL an die falsche Person aushändigt, dann ist das deren Problem und sollen dafür haften. Ganz einfach.

  4. Gravatar of Shop-Betrug mal andersrum – S-O-S SEO Blog

    Pingback von Shop-Betrug mal andersrum - S-O-S SEO Blog vom 9.5.2007

    […] Schöner Beitrag von Oliver über den tagtäglich stattfindenen Betrug von Online-Shoppern. Allerorten hört und liest man Meldungen, wie gefährlich es doch sei, Dienstleistungen oder Waren über das Internet zu bestellen bzw zu kaufen. Überall lauern die Betrüger, Abzocker und Bösewichter. […]

  5. Gravatar of Oliver Karthaus

    Kommentar von Oliver Karthaus vom 9.5.2007

    @Herb: DHL kann das nicht nachvollziehen, eine Persokontrolle gibt es nicht. Wenn jemand im Garten eines Hauses oder im Hausflur auf den Boten wartet und vorgibt, der rechtmäßige Empfänger zu sein und auch noch mit dem richtigen Namen unterschreibt, wer will da etwas tun? Niemand.

  6. Gravatar of Betrug von Online-Shops : XPlus-Web – Webdesign Bonn

    Pingback von Betrug von Online-Shops : XPlus-Web - Webdesign Bonn vom 9.5.2007

    […] Oliver, als alter Hase im Online Shop Geschäft bekannt, zeigt in bestechend einfacher Weise auf, wie der Hase wirklich läuft. Sehr oft sieht es, ganz im Gegensatz zu den Berichterstattungen in den Medien (insbesondere manche Greul- und Horrormeldungen des Akte / Sat1 Teams) anders aus. Wie auch schon die Kriminalstatistik 2006 zeigt: Fälle des Waren- und Warenkreditbetruges haben erheblich zugenommen. Via Gerald […]

  7. Gravatar of Zahlungsarten in Online-Shops: Vorauskasse, Rechnung, Nachnahme, Paypal » Selbständig im Netz

    Pingback von Zahlungsarten in Online-Shops: Vorauskasse, Rechnung, Nachnahme, Paypal » Selbständig im Netz vom 10.5.2007

    […] Nicht sehr verwunderlich ist, dass Vorauskasse (85%) die beliebteste Zahlungsart der Shop-Betreiber ist. Erstmal das Geld “in Händen halten”. Und dann die Ware raus. Aber das ist in der heutigen Zeit auch verständlich. Denn die Abmahnung von Online-Shops wegen jeder kleinen Sache ist derzeit sehr beliebt und auch in den Medien mittlerweile ein Thema. Doch das auch die Zahlungsausfälle für die Online-Shops mittlerweile recht hoch sind ist kaum in der breiten Öffentlichkeit bekannt. […]

  8. Gravatar of Trick-Betrug beim Online-Shopping : fob marketing

    Pingback von Trick-Betrug beim Online-Shopping : fob marketing vom 10.5.2007

    […] Was ich aber hier gerade über Shop-Betrug gelesen habe, dürfte jeden Online-Shop-Betreiber interessieren. […]

  9. Gravatar of Thorben

    Kommentar von Thorben vom 11.5.2007

    Wenn ich mich nicht doll irre, gibt es die 6 Wochen-Frist nicht mehr. Lastschriften kann man auch danach – und zwar unbegrenzt – wieder stornieren. Also, für den Händler die mit Abstand unsicherste Methode an sein Geld zu kommen.

  10. Gravatar of WebBizBlog

    Trackback von WebBizBlog vom 11.5.2007

    Berieb eines Online-Shops: ein hartes Brot…

    Oliver Karthaus berichtet im Adult Webmaster Blog über die Realität beim Betrieb eines Online-Shops.
    die Kurzfassung:

    Kunde bestellt Waren im Internet-Shop mit der Bitte um schnelle Lieferung (z.B. wegen Geburtstag oder ähnlichem)
    mit H…

  11. Gravatar of Stefan Jäkel

    Kommentar von Stefan Jäkel vom 14.5.2007

    Auch wir versenden nur noch gegen Vorkasse, Nachnahme, iClear oder PayPal-Zahlung. Ich kenne einige Shops, wo zurückgebuchte Lastschriftzahlungen die Existenz gekostet haben. Auch wir hatten einen Zahlungsausfall zwischen 20 und 30 %. Gerade im Erotikbereich wird da viel betrogen von Kundenseite her. Abschreiben können wir diese Verluste nicht, weil unsere Preise einfach zu knapp kalkuliert sind. Jetzt liegen hier ein paar Titel rum und innerhalb der nächsten 30 Jahre bekomme ich vielleicht mein Geld. Es ist zum Ko..en.

    Übrigens: für Stammkunden bieten wir ab der 3. Bestellung dann auch wieder Kauf per Lastschrift oder Rechnung an. Zahlungsausfall: Null

  12. Gravatar of Thomas

    Kommentar von Thomas vom 14.5.2007

    Also die Sache mit den 6 Wochen, die man eine Lastschrift zurückgeben kann, ist Quatsch.
    Laut geltenden rechtlichen Rahmenbedingungen kann eine Lastschrift unbegrenzt vom Datum her vom zu belastenden Kunden zurückgegeben werden. Also auch nach einem Jahr. Als Berater wissen wir selbst von einigen Kunden, dass man da wirklich nur !tagtäglich! das Geschäftskonto prüfen muss, ob unberechtigterweise was zurückgegeben wurde. Fakt ist, aufgrund der offenen Sachlage kann man allen Shopbetreiber raten (auch wenn die Kunden diese Zahlungsart gerne hätten), Lastschrift als Zahlungsweise nicht (!) anzubieten.

  13. Gravatar of Andreas Lux

    Kommentar von Andreas Lux vom 15.5.2007

    Es ist tatsächlich so, dass eine Lastschrift praktisch unbegrenzt zurückgezogen werden kann, da für eine Lastschriftabwicklung, so wie sie in Internetshops praktiziert wird eigentlich kene echte Rechtsgrundlage existiert. Das ist aber nicht das Problem. Wer nach einigen Wochen sein Geld zurückzieht hat meistens einen Grund über den man reden kann. Das Problem sind die Kandidaten, die entweder eine falsche Kontoverbindung angeben (nicht existent oder die eines anderen) oder die kein Geld auf dem Konto haben. Dagegen hilft nur mit dem Versand drei Tage zu warten und zu sehen, ob das Geld bleibt oder nicht. Ab 150€ bestellwert prüfen wir noch die Bonität. Wir konnten so die Verlustrate (Ware verschickt, Geld zurückgebucht) bei Lastschrift durch auf durchschnitlich 2% drücken. Die Ausfallrate (Ware nicht verschickt, Geld zurückgebucht)liegt aber nach wie vor bei ca. 15%. Deswegen LS nicht als Zahlungsmittel anzubieten kann aber auch nicht der richtige Weg sein.

  14. Gravatar of Onlinebetrug

    Pingback von Onlinebetrug vom 15.5.2007

    […] Wir als Shopbetreiber werden ja gerne mal als Betrüger hingestellt. So bekommt man schon mal eine nicht so schöne Mail wenn der Kunde Freitag mit Zahlart Vorkasse gekauft hat und er Dienstag noch keine Ware hat, da er Betrug “voraussetzt”. Aber der Shopbetreiber ist auch nicht immer auf der sicherne Seite wenn der die Zahlart “Lastschrift” anbietet. Ein sehr schönen Artikel daszu haben wir bei AWR gefunden. […]

  15. Gravatar of Steven

    Kommentar von Steven vom 16.5.2007

    Wir als Shopbetreiber bieten die Zahlung via Lastschrift aus langjähriger Erfahrung bei anderen von uns geführten grossen Shops einfach nicht mehr an. Ehrlich gesagt, kommt aber auch von Kunden keine Nachfrage nach der Lastschrift, wenn die tatsächlichen aber auch abgebrochenen Besteller via Email danach befragt werden.

  16. Gravatar of SNIPES SYSTEMHAUS » Blog Archiv » Typische Betrugsmasche von Online-Shoppern

    Pingback von SNIPES SYSTEMHAUS » Blog Archiv » Typische Betrugsmasche von Online-Shoppern vom 29.5.2007

    […] Link zum Originalbeitrag […]

  17. Gravatar of Uwe Reinert

    Kommentar von Uwe Reinert vom 8.6.2010

    Als Internetshop- Betreiber kann ich ein Lied davon singen. 1 von 20 Kunden betrügen indem die Ware per Lastschrift gezahlt und dann die Lastschrift nach Empfang der Ware storniert bzw. widerrufen wird. Auch wird die Ware meist nicht zurückgesendet sollte das Konto nicht gedeckt sein und die Lastschrift deswegen platzt. Auf Mahnungen zum Thema wird einfach nicht reagiert. Meist liegt die Bestellhöhe unter 20 Euro, da der Betrüger die hohen Kosten einer Strafverfolgung kennt und so hofft der Shopbetreiber werde die offene Forderung deshalb einfach abschreiben. Ich nenne diese Leute Lastschriftnomaden weil Sie von Shop zu Shop ziehen und einen erheblichen Schaden anrichten. Unglaublich unverschämt ist auch die extrem hohe Rückbuchungsgebühr der Abrechnungsfirmen und Banken die bei mir bei ca. 20% des Warenwerts liegt. Daß Lastschriftverfahren einfach nicht mehr anzubieten ist bei mir kaum umsetzbar da híerüber ca. 50% der Bestellungen abgewickelt werden, die Einbußen wären erheblich. Lösung: Rechtsanwaltskanzleien die eine Strafverfolgung derartiger Vergehen günstig anbieten, da es generell wichtig bei solchen Fällen auch niedrige Schadensersatzansprüche rücksichtslos durchzusetzen.

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