JuGuard e.V.: Die “Offline-Jugendschützer” blasen zum Kampf gegen die Onliner

Der Beitrag wurde am 20. August 2007 von Oliver veröffentlicht

juguardWas tut der Deutsche, wenn er selbst nicht weiterkommt? Genau, er gründet einen Verein. Die Offliner um den mittlerweile bekannten Herrn Grebenstein haben mit JuGuard e.V. einen “Verein zur Förderung des Jugendschutzes im Internet” gegründet. Damit bekommt der alte Kampf (der eigentlich keiner sein müsste) zwischen den Onlinern und Offlinern, der Old- und der New Economy, eine ganz neue Qualität. Unter dem Deckmantel des Jugendschutzes möchten sich die Offline-Unternehmen um Herrn Grebenstein und seiner Kirchberg Logistik GmbH um einen fairen Wettbewerb bemühen und für die Einhaltung der Jugendschutzbestimmungen kämpfen (natürlich mit der rechtlichen Keule). Der eine oder andere Webmaster wird sich nun zurecht fragen: “Herr Grebenstein und ein Verein für Jugendschutz im Internet?” Der Grund für die Verwunderung liegt sicher in der einstweiligen Verfügung gegen die Kirchberg Logistik GmbH wegen des ungeschützten Verbreitens von Pornografie an Minderjährige (Aktenzeichen: 327 O 389/07) vom Juni 2007. Natürlich – davon kann man ausgehen – geht es den Offlinern weniger um die Einhaltung des Jugendschutzes, sondern vielmehr um die eigenen, stark bröckelnden Umsätze im stationären Handel. Das Internet tut dem unbeweglichen Handel weh. Das zeigt auch ein Auszug aus der Satzung des Vereins, den man im vergrößerten Ausschnitt des linken Bildes nachlesen kann. Die Gründung dieses Vereins demonstriert eindrucksvoll die Unbeweglichkeit der Offline-Branche. Statt sich mit den Onlinern zusammenzuschließen um gegen die überzogenen Jugendschutzgesetzte zu kämpfen, möchte man sich wenigstens noch das eine oder andere schwimmende Fell sichern, indem man die Keule auspackt und Geld verbrennt. Natürlich wird das nicht funktionieren, dass werden die Leute um Herrn Grebenstein auch irgendwann merken. Hoffentlich früh genug, es wäre ihnen zu wünschen. Was wird diese Aktion unter dem Deckmantel des Jugendschutzes bringen? Man erwischt vielleicht einige Unternehmen, die bislang aus Deutschland gearbeitet haben und danach – wie viele vor ihnen – ins Ausland abwandern. Letztlich wird sich online gar nichts ändern, auch nicht durch 1000 Prozesse. Die verfolgten Onliner sind irgendwann alle im Ausland (ob real, über Maildrops oder andere Firmenkonstrukte) und der Verein hat seine Daseinsberechtigung mangels zu verfolgenden Klienten verloren. Die Offliner müssen jedoch in Deutschland bleiben. Was dann?

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7 Kommentare »

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  1. Gravatar of eenzoo

    Kommentar von eenzoo vom 21.8.2007

    Da wird von erfolglosen Einfallspinseln ne Hexenjagd losgetreten die nicht sein müsste. Anstatt ihre Gelder in dieses sinnlose Unterfangen zu investieren wäre es doch für on- und offliner sinnvoller gewesen ihre (finanziellen) Kräfte zu bündeln um klarstellen zu lassen das die dt. Jugendschutz nicht nur masslos überzogen sind sondern dazu noch verfassungswidrig unsere Gewerbefreiheit einschränken.

  2. Gravatar of Offline vs. Online: Denn sie wissen nicht, was sie tun – Adult Webmaster Blog

    Pingback von Offline vs. Online: Denn sie wissen nicht, was sie tun - Adult Webmaster Blog vom 22.8.2007

    […] Offline vs. Online: Denn sie wissen nicht, was sie tun Der Beitrag wurde am 22. August 2007 von Oliver Karthaus veröffentlicht Die Ankündigung des neuen “Jugendschutz”-Vereins “JuGuard e.V.”, der sich u.a. zum Ziel gesetzt hat, wieder für mehr Geld in den Kassen der “Offliner” zu sorgen, hat in den Adult Webmaster Foren für viel Wirbel gesorgt. Während sich einige Webmaster eingeschüchtert fühlen, planen andere schon an der passenden Antwort auf die Ankündigungen des Vereins. Mein Tipp: Ruhe bewahren! Schon viele haben versucht den “Onlinern” den Garaus zu machen, geschafft hat es keiner. Auch Herr Grebenstein wird das nicht. Man möge mir die fehlende Objektivität in diesem Fall verzeihen, aber wer solch eine “Kampfansage” macht, der muss auch mit Gegenwind rechnen. Ich bezweifel selbst sehr stark, dass die Firmen, die dort mit in das Vereinsboot geholt wurden, sich der Tragweite überhaupt bewusst sind. Warum ich das denke? Ich gebe gerne ein Beispiel: Da gibt es Firmen, die mit ihrem Firmennamen für diesen Verein und Jugendschutz im Internet einstehen. Produktionsfirmen. Deutsche Produktionsfirmen die auch in Deutschland sitzen. Bevor ich meinen Gedanken weiter spinne, muss ich noch mal das Vereinsziel in Erinnerung rufen: Man möchte Internetangebote aus dem Netz verbannen, die sich ohne Jugendschutz an deutsche Kunden richten und diesen Firmen so (Meinung des Vereins) für Umsatzverluste sorgen. Jetzt sage ich: Einige der Firmen leben selbst von diesen Internetangeboten und das nicht schlecht. Man muss sich nur mal die Produzentenliste von z.B. Hotmovies oder AEBN ansehen. Die richten sich aus den Staaten u.a. an deutsche Kunden (beide Anbieter haben eine übersetzte Version). Dort finden sich einige wieder, die ihre Filme dafür lizensieren und so mit jedem, der sich den Film ansieht, mitverdienen – 20% und mehr. Ich denke einfach mal, dass sich diese Firmen gar nicht darüber bewusst sind, wo sie da jetzt mir drin hängen. […]

  3. Gravatar of Anonymus

    Kommentar von Anonymus vom 24.8.2007

    Ich kann mich meinem Vorredner nur anschliessen. Das Vereinsziel ist ebenso abstrus wie sinnlos. Mehr noch, es schadet unterm Strich auch denjenigen, die diesen Verein unterstützen. Die PP-Präsentation die von Herrn Grebenstein anlässlich des runden Tisches vorgetragen wurde, ist zumindest teilweise, schlichtweg unwahr.

    Zwei Beispiele : Dort werden (nach Meinung des Vereins) legale und illegale Angebote nebeneinandergelegt und Trafficzahlen genannt. Dabei wird der Eindruck erweckt, das illegale Angebote zwangsläufig mehr Traffic haben als legale. Was bitte schön hat das eine mit dem anderen zutun ? Folgt man dieser Logik, würde das doch bedeuten, dass alle Angebote mit viel Traffic illegal sind ?!? Meiner Meinung nach, eine dreiste Irreführung von Ahnungslosen !

    Zweites Beispiel : Der Verein kommt in seiner Präsentation zu der Erkenntnis (Zitat) : “Legale Onlineangebote mit der Hürde „Face to Face- Verifikation“ sind für den Kunden nicht interessant”

    Das mag zum Teil sogar stimmen, aber die Ursache dafür muss doch wohl eher im JMStV gesucht werden ! Die Tatsache KJM hat viele (auch grosse) Unternehmen ins Ausland getrieben und in der Konsequenz letztlich dafür gesorgt, das es WENIGER Jugendschutz gibt. Wie will man Internetuser daran hindern statt einem .de am Ende ein .com einzutippen und auf Programmen zu landen die sich einen Dreck um das Thema Jugendschutz kümmern (müssen) ?! Die eigentliche Ursache für den ungleichen Wettbewerb ist doch wohl am ehesten hier zu finden, oder ?!

    Ausserdem sagt das obige Zitat doch nichts anderes, das die legalen Programme die später von den Mitgliedern des Vereins ins Netz gestellt werden sollen, uninteressant sind ?!? HÄÄÄ ?! Und was soll das dann ? Wie kann man denn annehmen das irgendwer mit einem uninteressanten Programm einmal Geld verdienen kann (muss!) Zumal die (selbsthochgesteckten!!!) Hürden dann das Geldverdienen für deutsche Unternehmen noch schwieriger machen ! Hab die Mitglieder darüber nicht nachgedacht ? Scheinbar nicht….oder Sie können es schlichtweg nicht beurteilen !?

    Aus zahlreichen Gesprächen die ich auch mit Offlinern geführt habe ist ganz klar zu entnehmen, das die eingeschlagene Vorgehensweise des Vereins für schlicht falsch gehalten wird.

    Wie kann man annehmen das, selbst wenn der ein oder andere Mitbewerber aus dem Feld geschlagen wurde, die bis dato bei diesem Mitbewerber kaufende Userschafft ausgerechnet auf einem legalen (aber uninteressanten) Portal eines der Vereinsmitglieder landet ?

    Wer das glaubt, beweisst damit allzudeutlich seine absolute Ahnungslosigkeit vom Online Biz !

    Wenn man sich hingestellt und unumwunden zugeben hätte : “OK, wie haben das Online Biz unterschätzt, OK, wir haben von der Materie keine Ahnung, OK die Regeln im Old Commerce gelten (fast) nicht für das Online Biz, OK wir waren zu arrogant und haben gepennt nun aber wollen (müssen) wir da rein weil die kleinen Silberscheiben bald gänzlich uninteressant sind. Lasst uns Kooperationen finden und gemeinsam die Synergieeffekte nutzen die beide Vermarktungsvarianten bieten ! Lasst uns die eingesammelten 50.000 Euro nehmen und gemeinsam eine tragbare und sinnvolle Jugendschutzvariante (ich sag nur ICRA oder Jusprog) finden…..

    Was glaubt Ihr würde passieren ? Mehr Gewinn für alle, Mehr Sicherheit für alle !

    Auf ein Wort Herr Grebenstein : Sie haben es einfach nicht verstanden und jeder der Ihrer Irrwitzigen Idee hinterher läuft wird sehr bald feststellen das er mit einem “Lemming” (im übertragenen Sinn gemeint!) die Klippe runtergesprungen ist.

    Und ! By the way : Das gegen Verstösse gegen das Urheberrecht vorgegangen wird, dagegen kann keiner was haben !

  4. Gravatar of Arcor bevormundet Kunden: YouPorn.com gesperrt : agenturblog.de

    Pingback von Arcor bevormundet Kunden: YouPorn.com gesperrt : agenturblog.de vom 10.9.2007

    […] Nun wird gemunkelt, dass dies erste Auswirkungen einer neuen Initiative der offline Pornobranche, also der DVD-Verleihindustrie ist. Andere Stimmen sehen übrigens die Arcor eigenen Erotikangebote im Generallverdacht, sind diese doch sowohl kostenpflichtig, als auch hinter deutsche Altersverifikationen verbarikadiert. Diesen Angeboten wandern schon seit langem Kunden zu kostenlosen oder weniger restriktiven Seiten im Ausland ab. […]

  5. Gravatar of Arschkatze funblog » Arcor zensur – Willige Gehilfen von sexyfilms.de grebenstein und Konsorten

    Pingback von Arschkatze funblog » Arcor zensur - Willige Gehilfen von sexyfilms.de grebenstein und Konsorten vom 11.9.2007

    […] Grebenstein und Konsorten gründeten seinerzeit den Verein “JuGuard e.V.” (”Verein zur Förderung des Jugendschutzes im Internet“). Was nicht so bekannt ist – die selbsternannten Jugendschützer rund um sexyfilms.de Grebenstein und Co. wurden selbst wegen Verstoßes gegen den in Deutschland geltenden Jugenschutz abgemahnt! […]

  6. Gravatar of Neue Blamage für Video Buster: Tochtergesellschaft wegen Verbreitung von Pornografie verurteilt – Adult Webmaster Blog

    Pingback von Neue Blamage für Video Buster: Tochtergesellschaft wegen Verbreitung von Pornografie verurteilt - Adult Webmaster Blog vom 17.9.2007

    […] Die Video Buster-Geschäftsführer Andreas Grebenstein und Mario Brunow hatten sich kürzlich öffentlich sogar als „Jugendschützer“ präsentiert. Brunow hatte in SPIEGEL ONLINE getönt: „Es gibt Regeln, wie Kinder vor (pornografischen) Inhalten zu schützen sind.“ Nun müssen Grebenstein und Brunow mit einem Strafverfahren wegen Pornografieverbreitung rechnen. Kirchberg hatte sich außerdem dadurch hervorgetan, dass es den Internet-Provider Arcor dazu bewogen hatte, einige pornografische Internet-Seiten von Ausländern zu sperren. „Wir sind gegen jede Form von Zensur und werden deshalb Arcor die Entscheidung darüber überlassen, ob die Webseiten von Kirchberg Logistik gesperrt werden“, sagte CyberMaxx-Geschäftsführer Gapski in Pulheim. Gapski teilt die in der Telekommunikationsbranche vorherrschende Auffassung, dass Sperrungen sinnlos und rechtlich fragwürdig sind. […]

  7. Gravatar of 4 Fragen an Mirko Drenger, Geschäftsführer der FunDorado GmbH, zum Thema Amateur-Communitys, JuGuard und aktuellen Trends – Adult Webmaster Blog

    Pingback von 4 Fragen an Mirko Drenger, Geschäftsführer der FunDorado GmbH, zum Thema Amateur-Communitys, JuGuard und aktuellen Trends - Adult Webmaster Blog vom 20.9.2007

    […] AWM-Resource.de: Momentan geht in der Branche die “Angst” vor den “Offlinern” um, die sich mit der Gründung des Vereins “JuGuard e.V.” der Verfolgung von nach deutschem Recht “illegalen” Angeboten verschrieben haben. Erst vor wenigen Tagen wurden auf Wunsch der Kirchberg Logistik GmbH bei Arcor mehrere Websites für deutsche Kunden gesperrt und später doch wieder freigegeben. Viele Amateur-Portale entsprechen tatsächlich nicht den deutschen Bestimmungen, sprechen aber deutsche Kunden an. Wie sehen Sie den Konflikt zwischen den Onlinern und den Offlinern und die Tatsache, dass sich immer mehr ausländische Firmen für deutsche Kunden interessieren und sich dabei gar nicht um den Jugendschutz kümmern (müssen)? […]

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