Investieren oder selbst probieren?

Der Beitrag wurde am 4. Februar 2008 von Oliver veröffentlicht

Wenn man sich in den einschlägigen Foren im Affiliate- und Webmaster-Business sowie in den Blogs einzelner Personen aus diesem Umfeld umsieht, dann bekommt man immer den Eindruck, als seien alle im Online-Business wahre Multitalente. So mancher Webmaster ist Programmierer, Texter, Designer, SEO, Buchhalter und Server-Admin in einer Person. Ist das ein Fluch oder ein Segen, wirklich alles zu können und es auch tatsächlich machen zu wollen? Könnte man die Zeit nicht besser nutzen, wenn man bestimmte Bereiche auslagert, was natürlich Geld kostet, dafür aber Raum für die Weiterentwicklung des eigenen Geschäfts schafft? Es kommt nicht selten vor, dass mich E-Mails von Neueinsteigern erreichen, die fragen, warum sie mir einem Projekt oder einer Website auf der Stelle treten. Auf ein Beispiel möchte ich einmal ein wenig näher eingehen: Ein Webmaster, der eine kleine Nischen-Website gestartet hatte, bat mich um Rat. Der Traffic und damit auch die Verkäufe auf der Website waren so gut wie nicht existent. Auf Nachfrage teilte er mir mit, dass er sowohl den Content selbst produziert (Foto und Video), Modelle selbst castet, die Programmierung, das Billing, die Administration seines Servers und die Aktualisierung sowie die Suchmaschinenoptimierung der Website selbst übernehme. Der Mann saß von früh bis spät vor dem Rechner, in den Statistiken bewegte sich aber so gut wie nichts.

An dieser Stelle ist so ein Knackpunkt: Viele Webmaster deuten das als Misserfolg, denken, das Produkt ist gescheitert und ziehen im nächsten Gedanken schon ein neues Projekt auf, schließlich muss ja Geld verdient werden. Die Folge: Das eigentlich gute Produkt liegt brach, wird nur noch selten bis gar nicht aktualisiert und kann so auch nie ein Erfolg werden. Eine weitere Folge ist die, dass man sich verzettelt. Es kommen immer mehr Projekte zusammen, von denen vielleicht 10 Prozent ein nennenswertes Einkommen bringen.

Er sollte sich zuerst mal grundsätzlich die Frage stellen, was er überhaupt sein möchte. Lieber Webmaster, Content-Produzent oder sogar Suchmaschinenoptimierer? Der Content war wirklich gut, daher riet ich ihm, sich mit aller Energie darauf zu konzentrieren, seine Technik zu perfektionieren und den Rest in Hände zu geben, die sich ausschließlich darauf spezialisiert haben. Ich vermittelte ihn an einen befreundeten SEO, der natürlich ordentlich Geld kostete. Die Kosten dafür hätte er durch den aktuellen Misserfolg des Projekts sowieso innerhalb der kommenden zwei Monaten verbrannt. Der SEO kümmerte sich um den Linkaufbau, Recherche der Keyword, Analyse der Mitbewerber, etc. Die ersten Erfolge stellten sich relativ rasch ein. Nach gut vier Wochen bewegte sich was im Traffic und auch bei der Anzahl der Abschlüsse. Statt seinen Server selbst zu administrieren, hat er auf mein Anraten auf einen Managed-Dienst umgestellt, der zwar 19 Euro pro Monat mehr kostet, ihm dafür aber gut und gerne drei bis vier Stunden im Monat an Arbeit erspart (und eventuell auch Ärger wegen eventueller Sicherheitslücken, etc.). In diesen drei bis vier Stunden kann er schon wieder zwei Shootings erledigen und hat frischen Content für seine Website.

Jetzt blieb noch der realtiv große Aufwand mit den Aktualisierungen der Website. Ein Programmierer, der auch ab und an für mich arbeitet, hat ihm ein System programmiert, mit dem sich der Zeitaufwand auf ein Zehntel reduzieren lässt. Er lädt nur noch die Videos und Fotos hoch und trägt das gewünschte Datum ein, wann das jeweilige Video oder Foto-Set für die Mitglieder sichtbar werden soll. Ein einfaches CMS mit großer Wirkung. Er kann jetzt Updates für einen kompletten Monat oder mehr an einem Tag einspielen und hat danach wieder Zeit für andere Dinge, statt sich alle zwei Tage damit beschäftigen zu müssen. Stellt man die Kosten für den Programmierer in Relation mit der Zeit, die er sich durch das System erspart, hat sich die Investition schnell amortisiert.

Das war nur ein Beispiel. Natürlich hängt das alles auch immer davon ab, wie das finanzielle Polster beschaffen ist. Wer nichts hat, der kann auch nichts investieren, jedoch stellt sich da die Frage, ob man in dem Fall überhaupt von ernsthaftem Business sprechen kann. Auf der anderen Seite ist es schon mit relativ kleinen Summen möglich, Arbeiten auszulagern und sich so selbst Freiraum für die intensive und kreative Arbeit am eigenen Projekt / der eigenen Website zu schaffen. Man muss nur früh genug den “Absprung” schaffen, bevor man sich erst verzettelt hat (siehe “Knackpunkt”). Alles selbst können ist gut, aber alles selbst zu machen in den seltensten Fällen.

Wie sieht das bei euch, meinen treuen Lesern, aus? Macht ihr alles selbst oder führt für euch der Weg zum Erfolg eines Projekts nur über die Investition in fach- und sachkundige Firmen / Mitarbeiter?

Investieren oder selbst probieren?
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5 Kommentare »

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  1. Gravatar of Rehauge

    Kommentar von Rehauge vom 5.2.2008

    Also ich mach ja kein ernsthaftes Buisness sondern mehr aus fun. Daher mach ich alles selbst und mir würde wirklich die Einlage fehlen um es auszulagern. Aber bisher wüsste ich auch gar nicht, was ich auslagern sollte. :)

  2. Gravatar of Sex-Mister

    Kommentar von Sex-Mister vom 5.2.2008

    Bisher mache ich auch alles selber. Also aus der Sicht der Homepage ;)

    Das einizigste was ich ausgelagert habe ist, die Rechtschreibprüfung *lach* Das mit dem , verfolgt mich schon seit der Schulzeit.

    Was mich ein wenig “deprimiert”, ist die Tatsache das es Zeiten gibt, in denen Google mich mag und dann wieder ignoriert. Habe mich zwar schon schlau gelesen und auch einiges angepasst was schon Besserung brachte.

    Schaue ich mir dann allerdings die Preise an, die ein SEO verlangt lass ich es doch lieber so wie es ist :)

  3. Gravatar of Max

    Kommentar von Max vom 5.2.2008

    Zu diesem Thema gibt’s ja genug Literatur (80/20 Prinzip, Pareto).

    Ansonsten versuch ich alles was möglich ist auszulagern.

    Im englischsprachigen Bereich geht das Outsourcen durch gute und verdammt günstige Agenturen in Indien oder Indonesien jedoch um einiges einfacher.

  4. Gravatar of Erotic-Eleganza

    Kommentar von Erotic-Eleganza vom 18.5.2008

    Hallo, bin gerade auf diesen Artikel gestoßen sehr interessant!

    Ich betreibe seit längeren eine Fetisch Nischenseite fullclothed, leider mit wenig Erfolg.

    Nun würde mich Interessieren welchen ihr mir zum Beispiel als SEO für den Linkaufbau und einen CMS Programmierer auch für php empfehlen könnt?

    Und: Wer kann mir einen Adult Webmaster oder Club in München empfehlen denn ich um Rat fragen kann?

    Für eure Info im Voraus vielen Dank.

    Vlg.

    http://www.erotic-eleganza.com

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