Als Adult Webmaster hat man es nicht leicht

Der Beitrag wurde am 5. Juni 2008 von Oliver veröffentlicht

Als Adult Webmaster hat man mit jeder Menge Vorurteilen zu kämpfen, ob ihr das glaubt oder nicht. Da reicht es nicht, dass ein völlig verrückt gewordener Staat einen bis an das Ende der Welt jagd, weil er Bilder und Videos von nackten Frauen unter ähnliche Strafen stellt, wie zum Beispiel Waffen- und Drogenhandel, nein, auch im privaten Bereich erlebt man allerlei merkwürdige Geschichten. Das geht vom Bankangestellten, der denkt, dass ein “Adult Webmaster” so etwas wie ein Lude (Zuhälter) ist, der zuhause mindestens 20 Damen vor der Webcam sitzen hat (natürlich alles illegale Osteuropäerinnen) und um sein Leben fürchtet, wenn er nicht den gewünschten Auftrag ausführt, bis hin zur neuen Freundin der Frau, die als sie vom Job des Mannes erfährt, die Freundschaft zur Frau aufkündigt weil sie Angst hat, schon im nächsten Augenblick nach Moskau verkauft zu werden. So ist das, dabei sind wir, die “Adult Webmaster”, ganz normale Menschen. Okay, einen nicht zu verachtenden Unterschied zu unseren Kollegen im Non-Adult gibt es dann doch: Wir sehen in unserer Freizeit lieber angezogene Damen. Jetzt aber Spaß bei Seite. In dieser Woche ist mir wieder einmal etwas passiert, das mich schon zum Nachdenken gebracht hat. Ich kommuniziere eigentlich ganz offen wer ich bin, was ich mache, was ich von wem halte und warum ich das hier alles mache. Bislang bin ich mit dieser offenen Art auch stets gut gefahren, ich habe ja schließlich nichts zu verheimlichen. Ich bin stolz auf das was ich mache und wie ich es mache, warum also diese Geheimniskrämerei?

In dieser Woche hatte ich aber wieder einmal so einen Fall, der mich zum Nachdenken gebracht hat. Ein Bekannter, mit dem ich bislang nur per Mail Kontakt hatte und der von mir nur weiß, dass ich ein Internet-Unternehmen habe, schrieb mir. Wir wollten telefonieren und er schickte mir auch gleich seine Handynummer. Ich kam an dem Tag nicht zum Rückruf, dafür hatte ich aber am nächsten Tag eine E-Mail im Postfach. Die klang ein wenig wirr. Er beschuldigte mich plötzlich, dass ich ihm SMS-Spam senden würde. Er erhielt wohl (warum auch immer) die üblichen SMS-Nachrichten, wie wir alle sie schon mal erhalten haben. Er machte mich dafür verantwortlich, weil er mir ja seine Handynummer mitgeteilt hätte. Außerdem hätte er mal in Google nach meinem Namen recherchiert und sei dabei auf zahlreiche Sites gestoßen, aus denen ersichtlich wird, dass ich ein “Adult Webmaster”, also = Spammer bin. Er wolle jetzt “rechtliche Schritte” prüfen. Ich riet ihm das zu tun, auch wenn das sinnlos ist. Aber er wollte mir nicht glauben. Mich hat das zum Umdenken veranlasst und mir gezeigt, dass Google doch mächtig geworden ist. Vielleicht werde ich meinen Namen in Zukunft komplett aus dem Netz tilgen.

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14 Kommentare »

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  1. Gravatar of Olly

    Kommentar von Olly vom 5.6.2008

    Tja, im einen Moment lacht man ueber die “Idioten” die komatoese Saufbilder von sich auf Facebook posten und sich die Zukunft ruinieren, im naechsten Moment stellen wir fest, dass man selbst Informationen im Netz hat die vielleicht falsch verstanden werden koennen.

  2. Gravatar of trustadvert

    Kommentar von trustadvert vom 5.6.2008

    So einen Fall mit SMS hatte ich noch nicht, aber genau das gleiche nur mit mail-spam.
    Ich wurde sogar schon zweimal beschuldigt Bekannten Spammails zusenden.
    Nach kurzer mündlicher Stellungnahme war das aber immer schnell wieder gegessen.

  3. Gravatar of Thomas

    Kommentar von Thomas vom 5.6.2008

    Naja, es reicht ja schon wenn du hier den Nachnamen weglässt. Ansonsten hilft auch eine Informationsschwemme, Google kann mit einem zu viel an Daten umgehen aber jeder andere nicht. Du musst dich also selbst vom #1 der SERPs zu verdrängen ;-)

  4. Gravatar of Fritz

    Kommentar von Fritz vom 5.6.2008

    Eigentlich gehöre ich nicht zur “Adult-Ecke”, trotzdem gab es schon peinliche Momente: Als Nebenberuflicher möchte ich z.B. meinem Arbeitgeber nicht unbedingt alle Projekte und Zusammenhänge auf die Nase binden. Es ist erstaunlich was z.b. yasni.de da auf Knopfdruck ausgibt.

    Geholfen hat ein robots-Noindex bei allen Impressumsseiten, abgekürzte Vornamen, kein myspace und Co und der Umstand, daß mein Name häufig vorkommt. Einer richtigen Recherche hält das nicht stand, aber zumindest die Nachbarn und andere “Profis” erfahren weniger. Der Rest gehört zum Leben: Mit meinem Beruf kann ich auch nicht auf Parties angeben.

  5. Gravatar of Nico Schubert

    Kommentar von Nico Schubert vom 5.6.2008

    Das ehrlich gesagt ein wenig Blödsinn wegen einer solchen Aussage so zu reagieren. Schreibe doch einen Artikel zum Thema “Was ist ein Adult Webmaster?” und verweisen das nächste mal auf diesen Artikel. Ein kleiner Tipp ich würde auch in der Zukunft das Impressum als Grafik machen. Schon mit bekommst du bedeutend weniger Post-Spam sowie solche Leute finden dich nicht mehr.

    Grüße Nico Schubert

  6. Gravatar of N20

    Kommentar von N20 vom 5.6.2008

    Wenn jemand die Stirn runzelt während ich ihm von meinem Job berichte, dem rate ich meist einfach mal die Venus in Berlin zu besuchen um festzustellen das es weniger verrucht ist als eine ganz normale Industrie…

  7. Gravatar of Anonymous

    Kommentar von Anonymous vom 5.6.2008

    Hallo Oliver, ich bin in einer ähnlichen Branche tätig (Adult Dating) und habe fast die gleichen Erfahrungen gemacht.

    Ich verstecke mich auch nicht hinter meinem Projekt, obwohl es manchmal besser wäre.

    Leider gibt es in Deutschland die Impressumspflicht, die hoffentlich bald von der EU gekippt wird … dann kann man nicht mehr so leicht nach dem Namen googlen und herausfinden was ich mache :)

  8. Gravatar of Matthias

    Kommentar von Matthias vom 5.6.2008

    Hi Oliver,

    gibst Du als Berufsbezeichnung wirklich Adult Webmaster an?

    Man muss aber einfach mal an dieser Stelle sagen, dass Du einer der seriösen in der Branche bist und damit meine ich nicht nur den Adult Bereich, sondern gesamt SEO.

  9. Gravatar of Martin

    Kommentar von Martin vom 7.6.2008

    Sehr coole Anektote… hat sich die sache aufgeklärt, und hast du noch Kontakt mit dem Herrn noch?…

    Aber die Macht und reichweite von google ist sicher nicht zu unterschätzen, auch solche personensuchmaschinen bringen oft details hervor, wo man selbst nicht mehr genau weiß wie die ins netz gekommen sind…..

    mfg Martin

  10. Gravatar of Matthias

    Kommentar von Matthias vom 14.6.2008

    Dein Beitrag spricht mir aus der Seele. Ich habe Vorurteile, Neid und Missgunst auch schon mehr als einmal erfahren dürfen. Wirklich echte Freunde interessiert aber nicht, was Du tust, sondern wer Du bist :-)

    Gruß,
    Matthias

  11. Gravatar of Serina

    Kommentar von Serina vom 17.6.2008

    Aber leider ist es schwer wirkliche Freunde zu finden, die sich für die Person und nicht was sie repräsentieren interessieren.

  12. Gravatar of Jan Fastenrath

    Kommentar von Jan Fastenrath vom 19.6.2008

    Den Namen komplett aus google rauszutilgen ist kein so leichtes unterfangen, da sollte man mitunter nen gutes Jahr für Zeit nehmen, man glaub nicht wieviele Webseiten kataloge sich die impressums daten, denic infos und co grabben. Da werde ich teilweise heute noch als Inhaber & Betreiber von Projekten geführt, die ich bereits vor mehreren Jahren veräußert habe.

    Vielleicht würde es hier Sinn machen sich einen Künstlernamen eintragen zu lassen (am besten sowas wie “Peter Müller”) mit dem man dann auch ofiziell in Denic und Co auftreten darf. Weiß jemand wie da die Rechtslage ist?

  13. Gravatar of Jens Kalupnik

    Kommentar von Jens Kalupnik vom 14.7.2008

    Der mit dem SMS-Spam ist nicht schlecht :)

    Ich hab auch einen:

    Nach einem Umzug musste ich mir einen neuen Steuerberater suchen. Nach netten Vorgesprächen einigten wir uns und ich übergag ihm meine Unterlagen.

    2 Tage später hatte ich Post. Er müsste die Zusammenarbeit leider aufkündigen. Als Mitgleid einer Freikirche könnte er leider nicht mir mir zusammenarbeiten, würde mich aber bei einem Mittagessen gerne wieder auf den rechten Pfad bringen.

  14. Gravatar of Jmeier

    Kommentar von Jmeier vom 18.7.2012

    Lustiger Text ;) Du magst Kommas ;) Wie sind deine Erfahrungen jetzt? Wir bloggen seit einiger Zeit ebenfalls und kann ähnliche Erfahrungen im Bekanntenkreis entdecken!

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