Trusted Shops ändert die Regeln für Erotikshops

Der Beitrag wurde am 1. Oktober 2009 von Oliver veröffentlicht

Als ich damals unseren Shop als einen der ersten von Trusted Shops zertifizieren ließ, ging ich eigentlich davon aus, dass man sich dort vorrangig um die vorschriftsmäßige Sicherheit und die zuverlässige Zahlungsabwicklung zwischen Shop und Kunde sorgt. Schließlich gewährt man dem Kunden beim Kauf in einem TS-zertifizierten Shop ja eine Geld-zurück-Garantie an. Das der zu zertifizierende Shop den deutschen Gesetzen entsprechen muss, ist selbstverständlich. Jetzt, nachdem man eine gewisse Größe erreicht hat, scheint man sich aber von diesem Schmuddelkram (Erotikshops) reinwaschen zu wollen. So erhielt ich heute eine E-Mail, in der mir mitgeteilt wurde, dass man das Vertragsverhältnis nur dann aufrecht erhalten könne, wenn bestimmte Produkte nicht mehr in den Rotlicht-Shops angeboten werden.

Dazu gehört zum Beispiel unter Punkt 2.1 Zubehör zur extremen Schmerzzufügung, Erniedrigung oder Unterwerfung. Das bedeutet wohl, dass die Leute bei Trusted Shops keine Peitschen, Klemmen oder Bondage-Seile mehr in den Shops sehen möchten. Die anderen 1000 Produkte, die auch unter diese Beschränkung fallen und – meiner Meinung nach – recht harmlos sind, zähle ich nicht separat auf. Ebenfalls unerwünscht sind Problematische Fetischkategorien wie Adult-Baby Fetisch. Kein XXL-Windelverkauft mehr! Ich gebe zu, ich hätte da eher andere Kategorien als mehr oder weniger problematisch angesehen, aber gut.

Unter dem Punkt 2.3 werden Jugendgefährdende, pornografische oder vulgäre Abbildungen ausgeschlossen. Das liegt dann sicher wieder im persönlichen Ermessen. Für manche ist eine weibliche Brust vulgär, für andere erst zwei. Wer weiß das schon. Ein bisschen traurig finde ich, dass Übersinnliche Leistungen wie Liebeszauber, Flüche und Beschwörungen nicht mehr von Trusted Shops abgedeckt werden. Ohne Geld-zurück-Garantie keine Beschwörung!

Insgesamt erinnert die Aktion an Google AdWords, die Anfangs von Erotik-Werbung gut lebten und Jahre später entsprechende Advertiser mit abstrusen Regeln vergraulten. Wer weiß, vielleicht hängen die Änderungen der Geschäftsgrundsätze auch mit den Amokläufen zusammen. Nachdem Killerspiele ja nachgewiesen nicht dazu führen, dass ausgegrenzte Schüler wie irre ihre Mitschüler ermorden, könnten eine unabhängige Kommission vielleicht mal wieder die Erotikindustrie aufs Korn genommen haben. Sehr unwahrscheinlich, aber wer weiß das schon. Möglich ist alles. Für mich ist das jedenfalls eine gute Gelegenheit, von meinem Sonderkündigungsrecht Gebrauch zu machen.

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10 Kommentare »

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  1. Gravatar of buttgru

    Kommentar von buttgru vom 27.12.2009

    Das ist doch eine Frechheit.
    Es wäre nachvollziehbar und m.E. auch richtig, illegale Inhalte auszuklammern. Aber was sonst wer bei wem kauft geht doch niemanden etwas an.
    Vieleicht denken diese selbsternannten und von niemandem autorisierten Moralwächter, dass sie den “Sumpf” der Rotlichtbezirke austrocknen können, in dem sie so suggerieren, es könne hier keine Sicherheit geben

  2. Gravatar of Impulse

    Kommentar von Impulse vom 3.2.2010

    und hast jetzt gekündigt? Lohnt sich so ein Trusted Shop überhaupt? Kann mir schlecht vorstellen das die Mehrheit der potentiellen Kunden auf so ein Gütesiegel besonders Wert legt ;)

  3. Gravatar of Claudius

    Kommentar von Claudius vom 17.2.2010

    Hoffentlich werden nicht die Regeln für Alkoholshops geändert, die vernünftig sind :)

  4. Gravatar of Birgit Stangel

    Kommentar von Birgit Stangel vom 26.2.2010

    Warum ändert der Shop die Regeln? Ich war mit den alten zu frieden. Aber da kann man nix machen. Wird schon einen Grund haben.

  5. Gravatar of Traudel Kramers

    Kommentar von Traudel Kramers vom 5.3.2010

    Nun das hätten sie sich für meine Person sparen können. Bin kein Kunde mehr, seitdem ich meinen Traummann gefunden habe.

  6. Gravatar of PG-Versand

    Kommentar von PG-Versand vom 18.6.2010

    Wir halten sowieso nicht so viel von Trusted-Shops. Es wurde mit dem Versprechen geworben, dass eine Zertifizierung garantiert mehr Umsatz bringt, so dass man die Kosten für Trusted-Shops definitiv wieder raus hat. Wir würden das gerne testen, allerdings mit 12 Monaten Laufzeit. Naja, hat sich so oder so erledigt, wenn ich das hier so lese.

  7. Gravatar of officeheike70

    Kommentar von officeheike70 vom 10.8.2010

    “Insgesamt erinnert die Aktion an Google AdWords, die Anfangs von Erotik-Werbung gut lebten und Jahre später entsprechende Advertiser mit abstrusen Regeln vergraulten.” du sagst es! voll ätzend, ich schreibe mal über dessous-modenschau und ein paar monate später kommt die google mail: Sie haben 3 tage um das zu ändern,,….hallo??? nur weil mal im Text “sexy” steht? schon der hammer echt!

  8. Gravatar of manmalte

    Kommentar von manmalte vom 22.10.2010

    Oh Mann ja, Adult-Content kann man einfach nicht mehr hosten in D. Welche Ausweich-Möglichkeiten gibt es eigentlich zur Zeit? Holland war mal ne Zeit, aber das ist wahrscheinlich auch schon wieder geändert… Nervt echt. Da hat man Internet und muß doch bald wieder “normal” im Ladengeschäft verkaufen – als gäbe es das Internet nicht.

  9. Gravatar of Starke

    Kommentar von Starke vom 15.1.2011

    Regeln sind für alle da. Aber natürlich nur die im gegenseitigen Einvernehmen aufgestellten Regeln. Und hier scheint Trusted Shop doch etwas über diese allgemeinen Grundsätze hinausgeschossen zu sein. Es ist immer problematisch für eine Firma, die AGB einseitig zu ändern und diese dann den Benutzern aufzubürden. Sicherlich wäre es zweckmäßiger gewesen, wenn diese Änderungen vor mit den Usern diskutiert worden wären. Das Problem geht ja noch weiter. Jetzt wird es nur für Erotikshops Änderungen geben, irgendwann sind dann alle dran, bei denen Trusted Shop dann vorschreibt, was diese tun oder nicht tun sollen.

  10. Gravatar of Conny81

    Kommentar von Conny81 vom 4.4.2011

    Ich finde deinen Artikel sehr interessant. Was sich die von Trusted Shops oder auch ähnlichen Anbietern mit ihren Aktionen denken kann ich nicht wirklich nachvollziehen. Erotik ist doch heutzutage kein Tabu-Thema mehr. Ich könnte es ja noch halbwegs verstehen wenn man in einem ganz allgemeinen Shop solche Artikel nicht sehen will aber wer doch einen SEX-Shop besucht der will doch ohnehin nichts anderes einkaufen. Außerdem ist es mir ein ganz großes Rätsel warum ein Seil, Peitschen oder Klemmen im Sex-Shop anstößig sein soll und in anderen Shops wie etwa Baumärkten, Bastelgeschäften oder im Fachhandel für Pferde- oder Kampfsport wiederum nicht. Schließlich sind es doch ein und dieselben Produkte. Die Artikel die keine interessierten Kunden mehr finden verschwinden doch ganz automatisch früher oder später aus den Onlineshops.

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